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98 Prozent der CIOs berichten steigenden Vorstands-Druck. KI-Budgets drohen eingefroren zu werden.
Und nur 18 Prozent messen überhaupt, was ihre KI bringt. Warum der ROI-Nachweis zum strategischen Problem wird — und was ihn strukturell möglich macht.
Es gibt eine Frage, die sich in den Sitzungen von Führungsgremien von Versicherungen, Unternehmen und Kanzleien gerade mit wachsender Regelmäßigkeit stellt. Nicht: Setzen wir KI ein? Das ist längst beantwortet. Die neue Frage lautet:
Was bringt sie uns?
Diese Frage klingt einfach. Sie ist es nicht.
Und der Umgang damit wird in den nächsten zwölf Monaten zwischen Betrieben unterscheiden, die ihre KI-Investitionen verteidigen können — und solchen, die sie rechtfertigen müssen.
Eine Dataiku/Harris-Poll-Studie, die zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 mit 600 CIOs weltweit durchgeführt wurde, liefert Zahlen, die für die Chefetagen juristischer Betriebe direkt relevant sind.
98 Prozent der Befragten berichten erhöhten Druck durch ihre Boards, messbare KI-Rendite nachzuweisen.
71 Prozent erwarten, dass ihre KI-Budgets bis Mitte 2026 gekürzt oder eingefroren werden, wenn Leistungsziele nicht erreicht werden.
Und 74 Prozent glauben, dass ihre eigene Rolle innerhalb von zwei Jahren gefährdet ist, wenn das Unternehmen keine messbaren KI-Ergebnisse liefert.
01
Aktuelle Entwicklung
Warum keiner den KI-ROI misst.
Der Thomson Reuters AI in Professional Services Report 2026 hat etwas herausgefunden, das in seiner Nüchternheit erschreckend ist:
Während über 80 Prozent aller befragten Organisationen generative KI inzwischen wöchentlich nutzen, messen nur 18 Prozent aktiv den ROI dieser Nutzung.
Und 40 Prozent wissen nicht einmal, ob ihre Organisation überhaupt irgendwelche KI-Leistungskennzahlen trackt.
The gap between adoption and measurement is precisely where legal teams face the greatest exposure when boards begin asking pointed questions. — legal.io, März 2026 |
Warum ist das so?
Weil die meisten KI-Einführungen mit der falschen Metrik gestartet sind.
Die erste Frage war: Wie viel Zeit sparen wir?
Zeit ist eine einfache Metrik — jeder versteht sie, und niemand muss sie verteidigen.
Das Problem: Zeit-Einsparungen sagen nichts über Geschäftsoutcomes.
Ein Sachbearbeiter, der durch KI 30 Prozent schneller Schriftsätze entwirft, bringt genau dann ROI, wenn diese Kapazität zu mehr Umsatz, weniger Fehlern oder besserem Service führt. Wenn sie zu mehr Kaffeepausen führt, ist der ROI null.
Der Schritt von Zeitersparnis zu Geschäftsergebnis ist der Schritt, den die meisten Betriebe noch nicht gegangen sind. Und genau dieser Schritt ist es, nach dem Boards jetzt fragen.
02
Ausblick auf 2026
Das Ende des KI-Hypes?
Auf der BLTF 2026 — der jährlichen Zusammenkunft der Legal-Tech-Branche in London, die Mitte März 2026 stattfand — wurde ein Begriff mehrfach zitiert, der die Stimmung gut beschreibt: KI-Deployment-Ära. Die Phase des Experimentierens ist vorbei. Was zählt, ist, was operativ funktioniert und was nachweisbar Wert schafft.
Was Analysten für 2026 vorhersagen |
Forrester: ‚The AI hype period ends.‘ 25 % des geplanten AI-Spend wird in 2027 verschoben. Nur 15 % der KI-Entscheider berichten EBITDA-Effekte. |
Gartner: Über 40 % der Agentic-AI-Projekte werden bis 2027 eingestellt — zu hohe Kosten, unklarer Geschäftswert. |
Thomson Reuters: Organisationen mit definierter KI-Strategie sind 2x wahrscheinlicher, ROI nachzuweisen — und 3,5x wahrscheinlicher, kritische KI-Vorteile zu realisieren. |
BLTF 2026: Differenzierung entsteht nicht mehr durch Features — sondern durch Datenfundament, Governance und kommerzielle Strategie. |
Das ist für die juristische Branche kein abstraktes Marktforschungsrauschen. Es beschreibt genau das, was in Budgetgesprächen gerade passiert.
KI wurde eingeführt, weil es alle machen. Jetzt kommt die Frage: Was genau machen wir damit — und kann ich das belegen?
03
Veränderungen
Die richtige ROI-Metrik für juristische KI
Das Problem mit der Frage nach dem KI-ROI ist, dass sie falsch gestellt wird. „Wie viel bringt KI uns?“ ist eine Frage, die keine operative Antwort hat. Sie führt zu langen Präsentationen mit vagen Einsparungsschätzungen und irgendwann zu Frustration.
Die richtigen Fragen sind spezifischer:
Falsche ROI-Metrik | Richtige ROI-Metrik |
Wir haben X Stunden gespart | Bearbeitungszeit pro Standardfall: von Y auf Z Minuten |
KI ist schneller als manuell | Fristüberschreitungen: von X % auf Y % |
Wir haben KI eingeführt | Fehlerquote in Dokumentenklassifizierung: X % |
Mitarbeiter nutzen KI täglich | Durchlaufzeit Mahnverfahren: X Tage |
KI unterstützt unsere Arbeit | Sachbearbeiter-Auslastung: von X auf Y Fälle/Monat |
Der Unterschied ist fundamental. Prozessbasierte Metriken sind messbar, vergleichbar und verteidigbar. Sie hängen nicht von subjektiven Einschätzungen ab. Sie existieren unabhängig davon, ob jemand das Gefühl hat, dass KI geholfen hat oder nicht. Sie sind Daten.
Und das ist der Punkt, an dem Prozessarchitektur zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird. Wer KI als einzelne Tools einsetzt — hier ein Chatbot, dort ein Textgenerator — hat keine Prozessmetriken. Er hat Aktivitätsdaten. Wer KI als Task in einem definierten, messbaren Workflow einsetzt, hat ROI-Daten.
04
Was das für KI in der Kanzlei bedeutet
Wie ROI by design möglich ist.
Wir haben eine These, die wir inzwischen in vielen Projekten bestätigt gesehen haben: Wer seinen Prozess in BPMN abbildet, hat automatisch die Grundlage für ROI-Messung. Nicht als Bonus. Als direkte Konsequenz der Architektur.
In DEPLAW ist jeder Workflow-Schritt protokolliert. Durchlaufzeiten sind messbar — für jeden Fall, jeden Schritt, jede KI-Aktion.
Fehlerquoten sind sichtbar — nicht als manuelle Erhebung, sondern als automatisches Ergebnis der Prozesshistorie.
Das bedeutet:
Wenn der Vorstand fragt — Was bringt unsere KI? — gibt es eine Antwort. Keine Schätzung. Keine Präsentation mit Zeitersparungsannahmen. Daten.
Das ist kein Versprechen für die Zukunft. Das ist das, was Kunden, die seit mehr als einem Jahr mit DEPLAW arbeiten, bereits ihren Aufsichtsgremien vorlegen.
The winners will not be the teams that deployed the most AI features. They will be the teams that built the strongest foundation for reliable automation, defensible decision-making, and scalable compliance. — Lexology, Januar 2026 |
Quellen & Nachweise [1] Dataiku / Harris Poll (Dezember 2025–Januar 2026): Global CIO Survey — AI ROI-Druck. 600 CIOs weltweit. legal.io/articles/Boards-Are-Demanding-AI-ROI [2] Thomson Reuters (2026): AI in Professional Services Report — 18 % messen KI-ROI aktiv. [3] Forrester Research (2026): ‚The AI Hype Period Ends‘ — 25 % AI-Spend-Verschiebung auf 2027. [4] Gartner (2026): 40 % aller Agentic-AI-Projekte werden bis 2027 eingestellt. [5] Legal IT Insider (17. März 2026): BLTF 2026 Round-up — Governance and security as route to ROI. legaltechnology.com [6] Lexology (Januar 2026): 4 Legal Tech Trends, die 2026 zu beobachten sind. lexology.com [7] ModelOp (2026): AI Governance Benchmark Report 2026 — The AI Portfolio Explosion. natlawreview.com [8] Jones Walker LLP (2026): Ten AI Predictions for 2026. joneswalker.com |