BPMN in Legal Tech: Die ideale Grundlage für die automatisierte Fallbearbeitung?

Wer einmal BPMN für die juristische Fallbearbeitung nutzt, will nicht mehr ziurück. Die Freiheit und der Detailgrad in der Orchestrierung begeistert einfach.

Ein technischer Begriff mit weitreichenden praktischen Konsequenzen: Wer BPMN versteht, versteht warum die meisten Legal Tech Automatisierungsversprechen langfristig scheitern – und was eine Lösung braucht, um wirklich zu skalieren.

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Closed shop

Das Problem mit proprietären Workflow-Engines

Stellen Sie sich vor, Sie haben in Ihrem Unternehmen über zwei Jahre hinweg Dutzende von Automatisierungsprozessen aufgebaut. Jeder Prozess läuft in der proprietären Workflow-Engine eines bestimmten Softwareanbieters. Die Logik ist im System hinterlegt – aber nicht wirklich dokumentiert. Niemand außerhalb des Systems kann die Prozesse lesen oder verstehen.

Dann: Der Anbieter stellt das Produkt ein. Oder erhöht die Preise drastisch. Oder das Unternehmen wächst über die Kapazitäten der Plattform hinaus.

Was passiert mit Ihren Prozessen? Sie sind verloren. Nicht die Daten – die lassen sich oft migrieren. Aber die Prozesslogik, die Entscheidungsregeln, die Automatisierungsintelligenz: alles in einem proprietären Format, das kein anderes System lesen kann.

Das ist kein hypothetisches Szenario. Es ist die Realität vieler Unternehmen, die in der ersten Welle der Legal Tech Digitalisierung auf proprietäre Lösungen gesetzt haben.

BPMN ist die strukturelle Antwort auf dieses Problem.

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Kurz und knapp

Was BPMN ist: Die Kurzform

BPMN steht für Business Process Model and Notation. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich etwas Grundsätzliches: eine international standardisierte Sprache, um Geschäftsprozesse eindeutig zu beschreiben – so eindeutig, dass sie von Maschinen ausgeführt werden können.

BPMN wird von Unternehmen weltweit und in allen Branchen eingesetzt – von der Automobilindustrie über das Bankenwesen bis hin zur öffentlichen Verwaltung.

Im Kern ist BPMN eine grafische Notation: Kreise, Rechtecke, Rauten, Pfeile. Jedes Symbol hat eine präzise, standardisierte Bedeutung. Zusammengesetzt ergeben sie einen Prozess, der nicht nur visualisiert, sondern direkt ausgeführt werden kann – ohne Übersetzung in Code.

Erstellen Sie direkt selbst einen ersten BPMN-Worfklow in unserer Demo:

Die wichtigsten BPMN-Elemente im Überblick:

  • Start-/End-Events: Definieren Anfang und Ende eines Prozesses
  • Tasks (Service Task, User Task, Script Task): Automatisierte oder manuelle Aufgaben
  • Gateways (exklusiv, parallel, ereignisbasiert): Entscheidungspunkte und Verzweigungen
  • Sub-Prozesse: Wiederverwendbare Prozessbausteine innerhalb eines Workflows
  • Event Sub-Prozesse: Behandlung von Ausnahmen und unerwarteten Ereignissen
  • Timer Events: Frist- und zeitgesteuerte Aktionen
  • Message Events: Reaktion auf externe Ereignisse (z. B. eingehende beA-Nachricht)

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Optik oder Funktion?

BPMN in Legal Bereich: Was sich damit abbilden lässt

Im Rechtsumfeld zeigt BPMN sein volles Potential – gerade weil juristische Prozesse oft komplex, regelgebunden und ausnahmereich sind. Hier sind konkrete Anwendungsbeispiele, die mit BPMN-basierten Workflows heute produktiv automatisiert werden:

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Falleingang und Erstbearbeitung
  • Eingehende Dokumente (beA, E-Mail, Upload) triggern automatisch den richtigen Workflow
  • KI-basierte Klassifizierung als Service Task: Dokumenttyp, Priorität, Fristigkeit
  • Automatische Zuordnung zur richtigen Akte, zum richtigen Bearbeiter, zum richtigen Folgeprozess

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Fristenverwaltung und Eskalation
  • Timer Events: Automatische Fristsetzung basierend auf KI-extrahierten Daten
  • Eskalations-Workflows: Bei Fristablauf ohne Reaktion startet automatisch Erinnerungsprozess
  • Event Sub-Prozesse: Außerplanmäßige Ereignisse (z. B. unerwarteter Eingang) unterbrechen kontrolliert den Hauptprozess

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Gerichtliche Mahnverfahren
  • Vollautomatisierte EDA-Generierung für Online-Mahnanträge
  • Tracking von Zustellungen und automatischer Start von Vollstreckungsprozessen bei Nicht-Zahlung
  • Parallele Gateways: Mehrere Betreibungsmaßnahmen gleichzeitig gestartet und überwacht

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Kommunikation mit allen Beteiligten
  • Automatischer Versand von Schriftsätzen per beA, E-Mail oder Post – kontextbasiert generiert
  • Mandantenkommunikation: Proaktive Statusupdates ohne manuellen Aufwand
  • Gegnerkorrespondenz: Standardisiert, dokumentiert, versioniert

Das Tolle an BPMN für Kanzleien und Versicherern ist: man kann bei kleinen Teilprozessen beginnen und nach und nach alle Schritte davor und danach ergänzen, ohne von vorne anfangen zu müssen. Im Rechtsbereich gibt es aus meiner Sicht keinen besseren Standard für komplexe Automatisierungs-Projekte.

Bild von Tim Platner
Tim Platner

Geschäftsführer

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Perfect match

FEEL: Entscheidungslogik, die BPMN vervollständigt

BPMN beschreibt, wie ein Prozess abläuft. Eine zweite Frage ist mindestens genauso wichtig: Warum nimmt ein Prozess an einer bestimmten Stelle genau diesen Weg und nicht jenen?

Diese Frage beantwortet FEEL – Friendly Enough Expression Language. FEEL ist der zugehörige Standard für Entscheidungslogik: eine lesbare, standardisierte Sprache, um Wenn-Dann-Regeln explizit zu formulieren.

Statt Entscheidungslogik im Code zu verstecken – wo sie niemand außer Entwicklern lesen, prüfen oder verändern kann – werden Regeln in FEEL so formuliert, dass Anwälte, Sachbearbeiter und Compliance-Verantwortliche sie direkt lesen und verstehen.

Typische FEEL-Entscheidungsregeln im Rechtskontext:

Automatische Klagegenehmigung:

Streitwert <= 2000 and Erfolgswahrscheinlichkeit >= 70 and Deckungsart = „Privat-Rechtsschutz“

Eskalation an Vorgesetzten:

Bearbeitungsdauer > 30 and Mandantenstatus = „Beschwerdeführer“ and Streitwert > 10000

Automatischer Vergleichsvorschlag:

Gegnerangebot >= Streitwert * 0.7 and Verfahrenskosten > Streitwert * 0.3

Diese Regeln können von Anwälten und Sachbearbeitern direkt definiert, geprüft und angepasst werden – ohne Entwicklerkenntnisse. Das ist No-Code/Low-Code Automatisierung auf Enterprise-Niveau.

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Standards

Richtig statt einfach

Der Markt bietet viele Legal Tech Tools, die einfache Workflow-Funktionen anbieten. Für den Einstieg in die Automatisierung sind manche dieser Tools durchaus nützlich. Langfristig erzeugen sie jedoch spezifische Risiken:

Risiko

Proprietäre Lösung

BPMN-basierte Lösung

Vendor Lock-in

Prozesslogik im proprietären Format – nicht portierbar

Vollständiger BPMN-2.0-Export – systemunabhängig

Änderungsmanagement

Jede Änderung erfordert Entwickler

Fachliche Anwender passen Prozesse direkt an

Auditierbarkeit

Prozesslogik im Code versteckt – schwer erklärbar

Prozessschritte und Entscheidungen direkt am Modell nachvollziehbar

Skalierung

Performance-Grenzen bei hohem Volumen oft undokumentiert

Enterprise-Architektur mit definierter Skalierbarkeit

Ausnahmebehandlung

Ausnahmen oft manuell oder als Code-Workaround

Event Sub-Prozesse: Ausnahmen explizit modelliert

Compliance

Prozesslogik schwer prüfbar für Aufsichtsbehörden

Vollständige Prozess-Transparenz für Audits

Zukunftssicherheit

Abhängig von Anbieter-Roadmap

Offener Standard – herstellerunabhängig

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Prozess frist

BPMN x KI: Wie prozessgesteuerte KI funktioniert

Generative KI ist leistungsfähig. Aber KI, die isoliert und autonom agiert, ist im Unternehmensumfeld problematisch: unkontrollierbare Outputs, fehlende Auditierbarkeit, inkonsistente Ergebnisse.

Der BPMN-Ansatz löst dieses Problem elegant: KI wird nicht als autonomer Agent eingesetzt, sondern als Service Task innerhalb eines definierten Workflows.

Das bedeutet konkret:

  • KI-Anfragen haben einen definierten Input: welche Dokumente, welche Datenpunkte, welchen Prompt
  • KI-Antworten haben einen definierten Output: welche Daten werden extrahiert, welche Aktion folgt
  • KI-Schritte sind versioniert: Welches Modell wurde wann verwendet?
  • KI-Ergebnisse sind auditierbar: Jede Anfrage und jede Antwort ist in der Prozesshistorie dokumentiert
  • KI ist austauschbar: Modellwechsel (GPT-4 → Claude → lokales Modell) ohne Prozessänderung

Das Ergebnis: KI, die nicht autonom handelt, sondern fachlich orchestriert ist. Leistungsfähig und kontrollierbar zugleich.

 

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DEPLAW für Enterprises

Für wen BPMN im Legal Tech Bereich geeignet - und für wen nicht?

BPMN ist kein Allheilmittel. Es ist ein mächtiges Werkzeug – das aber eine gewisse Investition in Prozessdenken erfordert.

BPMN ist der richtige Ansatz, wenn…

BPMN ist vielleicht nicht der richtige Einstieg, wenn…

Sie wiederholende juristische Prozesse in hohem Volumen automatisieren wollen

Sie nur wenige, sehr komplexe Einzelfälle ohne Prozesswiederholung haben

Sie Prozesse selbst verstehen, gestalten und ändern wollen – ohne Entwickler

Sie keine fachliche Ressource haben, die Prozesse konzipieren kann

Sie regulatorische Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Auditierbarkeit erfüllen müssen

Sie einen schnellen Einstieg ohne tiefere Prozessanalyse suchen

Sie eine langfristige, skalierbare Lösung ohne Vendor Lock-in brauchen

Sie ein kleines Digitalisierungsprojekt mit begrenztem Umfang planen

Sie KI in auditierbare, kontrollierbare Prozesse einbetten wollen

Sie KI primär als interaktives Assistenztool (Chatbot etc.) nutzen wollen

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Fazit

BPMN ist nicht nur Technologie, sondern Strategie

Die Wahl zwischen BPMN-basierter Prozessautomatisierung und proprietären Workflow-Tools ist keine rein technische Entscheidung. Sie ist eine strategische: Wie viel Kontrolle will ich über meine eigenen Prozesse haben? Wie unabhängig will ich von Softwareanbietern sein? Wie nachvollziehbar sollen meine Automatisierungsentscheidungen für interne und externe Prüfer sein?

Für Kanzleien und Versicherer, die juristische Prozesse ernsthaft und dauerhaft automatisieren wollen, ist BPMN heute der einzige Ansatz, der alle drei Fragen befriedigend beantwortet.

Es ist kein Zufall, dass BPMN in regulierten Industrien – Banken, Versicherungen, öffentliche Verwaltung – zum etablierten Standard geworden ist. Es ist das Ergebnis jahrelanger Erfahrung mit dem, was langfristig funktioniert und was nicht.

Produkt-Highlights
BPMN Workflow Editor Legal Tech
DEPLAW Workflow Editor

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