DEPLAW vs. JUNE – zwei Plattformen für anspruchsvolle Fallbearbeitung im Vergleich
JUNE hat sich als KI-gestützte Automationsplattform positioniert, die vor allem bei Massenverfahren und Großprojekten ihre Stärke ausspielt. Der Fokus liegt auf agentenbasierter KI, die Prozessschritte eigenständig übernimmt.
DEPLAW teilt den Anspruch an Skalierbarkeit – hunderttausende automatisierter Mandate sprechen für sich.
Der Ansatz unterscheidet sich aber grundlegend: Wo JUNE auf KI-Agenten als primäre Steuerungslogik setzt, orchestriert DEPLAW KI innerhalb fachlich definierter BPMN-Workflows. Die Kontrolle bleibt beim Menschen, die Ausführung bei der Maschine.
Dieser Beitrag vergleicht beide Plattformen dort, wo es für anspruchsvolle Kanzleien einen Unterschied macht.
Steuerungsphilosophie: Agenten vs. orchestrierte Workflows
JUNE: KI-Agenten steuern den Prozess
Bei JUNE übernehmen KI-Agenten zentrale Prozessschritte: Dokumentenklassifikation, Fristüberwachung, Aufgabenzuweisung, Schriftsatzerstellung.
Die Prozesslogik liegt in den Agenten, nicht in expliziten Workflow-Diagrammen. Das ist leistungsfähig – aber auch eine Blackbox, wenn es um Nachvollziehbarkeit und Auditierbarkeit geht.
DEPLAW: KI eingebettet in BPMN-Prozesse
DEPLAW trennt bewusst zwischen Prozesslogik und KI-Ausführung. Die Steuerung erfolgt über BPMN 2.0 Workflows – visuell modelliert, exportierbar, prüfbar. KI-Agenten werden als orchestrierte Schritte innerhalb dieser Workflows eingesetzt: kontrolliert, sichtbar, auditierbar.
In der Praxis heißt das: Ein Anwalt kann im Workflow-Diagramm genau sehen, wo die KI eingreift, welche Entscheidung sie trifft und was danach passiert. Bei JUNE liegt diese Logik im Agenten selbst – weniger transparent, aber möglicherweise schneller konfiguriert.
Workflow-Standard und Portabilität
Hier liegt ein fundamentaler Unterschied:
- JUNE arbeitet mit einem proprietären Workflow-System. Die Prozesslogik ist – soweit ersichtlich – nicht ohne Weiteres exportierbar und nicht in einem offenen Standard dokumentiert.
- DEPLAW setzt auf BPMN 2.0 – einen ISO-Standard. Workflows lassen sich exportieren, von Dritten prüfen und bei einem Anbieterwechsel mitnehmen. Kein Vendor Lock-in.
Für Kanzleien, die regulatorisch oder gegenüber Mandanten nachweisen müssen, wie ihre Prozesse ablaufen, ist die BPMN-Dokumentierbarkeit ein echter Vorteil.
Massenverfahren: beide stark, unterschiedlich gebaut
Beide Plattformen sind für hochvolumige Fallbearbeitung ausgelegt – das ist kein Differenzierungsmerkmal, sondern gemeinsame Stärke.
JUNE glänzt bei der agentenbasierten Massendigitalisierung: große Dokumentenmengen automatisch klassifizieren, Daten extrahieren, Fristen erkennen. Die Kollaborationsfunktionen mit geteilten Workspaces für Partnerkanzleien sind ein Plus.
DEPLAW setzt denselben Anspruch über den Workflow-Ansatz um: Event-Trigger starten Prozesse automatisch bei Dokumenteneingang, Fristablauf oder API-Signal. Die Automatisierungskette – vom Posteingang über KI-Analyse bis zum fertigen Schriftsatz – läuft durchgehend im selben System.
Was DEPLAW zusätzlich mitbringt
Einige Funktionen, die JUNE nicht oder anders abdeckt:
Verankerung im deutschen Rechtsraum
- RVG-Abrechnung – vollständig integriert. JUNE weist keine RVG-Abrechnungsfunktion aus.
- DATEV-Export – direkt und konform. JUNE bietet keine DATEV-Schnittstelle.
- beA – bei beiden vorhanden, bei DEPLAW inkl. Signaturkarten und Massensignaturen
Nativ integrierte Features ohne Zusatzmodule
- Zentraler Posteingang – beA, E-Mail, Fax, eBO für beliebig viele Anwälte und Gesellschaften in einem System
- Dynamische Formulare – strukturierte Datenerfassung, die direkt in Workflows und Dokumente einfließt
- Integrierte Telefonie – Anrufe direkt aus der Akte, automatische Protokollierung. JUNE bietet keine Telefoniefunktion.
- Online-Zahlungen – inklusive, ohne Transaktionsgebühren. Bei JUNE nicht vorhanden.
- Mandantenportal – vollständige Online-Akte inklusive. JUNE bietet geteilte Workspaces, kein klassisches Mandantenportal.
Cloud und On-Premise
DEPLAW bietet beides: Cloud-Hosting auf deutschen Telekom-Servern oder On-Premise via Kubernetes-Cluster. JUNE ist ausschließlich Cloud – keine On-Premise-Option.
Wo JUNE Stärken hat
- Internationale Ausrichtung – integrierte Übersetzungsfunktion, multilingualer Support, globale Kanzleien als Zielgruppe
- Kollaboration – geteilte Workspaces für Mandanten und Partnerkanzleien als Kernfunktion
- Schnelle KI-Konfiguration – agentenbasierter Ansatz kann für Teams, die keine explizite Prozessmodellierung brauchen, schneller zum Ergebnis führen
- Realtime-KPIs – Live Reporting und Prozesstransparenz sind bei JUNE eine Kernfunktion
DEPLAW vs. JUNE
Beide Plattformen sind auf hochskalierbare Fallverarbeitung ausgelegt – die Unterschiede liegen in Vollständigkeit, Workflow-Offenheit und Verankerung im deutschen Rechtsraum.
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Kriterium
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Skalierbare Kanzleiplattform
DEPLAW
Made in Germany
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KI-Automationsplattform
JUNE
Made in Germany
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|---|---|---|
| Plattform & Skalierung | ||
| Entwicklungsland | ✓ Deutschland | ✓ Deutschland |
| Massenverfahren | ✓ Hochskalierbar Speziell für hochvolumige Fallverarbeitung ausgelegt; auto. Dokumentenverarbeitung & Workflow-Steuerung im Massenmaßstab |
✓ Hochskalierbar Kernstärke: Massenverfahren, Claims Management & Großprojekte |
| Plattform-Typ | ✓ Cloud & On-Premise Hochskalierbares Kubernetes Cluster; volle Kontrolle über Infrastruktur & Deployment |
Nur Cloud Keine On-Premise-Option; Infrastruktur liegt beim Anbieter |
| Serverstandort | ✓ Deutschland / EU Georedundant auf Servern der Deutschen Telekom |
✓ Deutschland Zertifizierte Rechenzentren in Deutschland |
| Workflow-Automatisierung | ||
| Workflow-Engine | ✓ BPMN 2.0 Editor Visuell modellierbar; voller Zugriff auf Prozesslogik; kein IT-Wissen erforderlich |
✓ Agentenbasiert KI-Agenten automatisieren Prozessschritte; proprietäres System |
| Workflow-Standard & Portabilität | ✓ BPMN 2.0 – offener Standard Workflows exportierbar, dokumentierbar & von Dritten prüfbar; kein Vendor Lock-in |
Proprietär Keine BPMN- oder FEEL-Konformität; Workflow-Logik nicht exportierbar; Vendor Lock-in |
| Event-Trigger | ✓ Vollständig konfigurierbar Beliebige Ereignisse als Auslöser definierbar – Zeit, Dokumenteingang, Statuswechsel, externe API-Events |
Eingeschränkt |
| KI-Dokumentenextraktion | ✓ Ja Nativ integriert; Ergebnisse direkt in BPMN-Workflows weiterverwertbar |
✓ Ja Massendigitalisierung sehr großer Dokumentenmengen; agentenbasierte Datenextraktion |
| Kollisionsprüfung | ✓ Automatisch | ✓ Automatisch |
| KI-Integration | ||
| KI-Assistent | ✓ Tief integriert, nativ Aktenbasiertes ChatGPT direkt in der Akte; KI-Anfragen in Workflows integrierbar; automatische Zusammenfassungen & Dokumentenanalyse – kein externer Dienst |
✓ Kernprodukt Generative AI als Herzstück; Agenten überwachen Fristen, weisen Aufgaben zu & automatisieren Prozessschritte; ChatGPT-Integration |
| Steuerungslogik | ✓ Fachlich orchestriert Fallbearbeitung über fachlich definierte BPMN-Workflows gesteuert; KI-Agenten werden gezielt innerhalb dieser Workflows eingesetzt |
Agentengesteuert Fallbearbeitung wird direkt durch KI-Agenten gesteuert; Prozesslogik liegt in den Agenten, nicht in expliziten Workflows |
| Deutsches Recht & Compliance | ||
| DSGVO-Konformität | ✓ Native 100 % EU-DSGVO-konform; End-to-End-Verschlüsselung, 2FA, OAuth, TÜV-Pentested |
✓ Native Rollenbasierte Zugriffe, getrennte Posteingänge; dt. Rechenzentren |
| beA-Integration | ✓ Vollständig Inkl. Signaturkarten, Massensignaturen & Softwarezertifikate |
✓ Vorhanden Automatischer Versand über beA; Korrespondenz-Entwurf per KI |
| RVG-Abrechnung | ✓ Vollständig integriert RVG, Zeitvergütung, individuelle Sätze; direkte Rechnungserstellung |
Nicht ausgewiesen Keine öffentlich dokumentierte RVG-Abrechnungsfunktion |
| DATEV-Konformität | ✓ Vollständig Direkter DATEV-Export; konforme Buchungssätze & Rechnungsformate |
Nicht vorhanden Keine DATEV-Schnittstelle |
| Vollständigkeit der Kanzleiverwaltung | ||
| Online-Zahlungen | ✓ Inklusive, ohne Zusatzkosten | Nicht vorhanden |
| Integrierte Telefonie | ✓ Nativ integriert Anrufe aus der Akte, auto. Protokollierung & Zeiterfassung |
Nicht vorhanden |
| Mandantenkommunikation | ✓ Vollständig E-Mail, beA, Telefonie & Online-Akte in einem Posteingang |
Eingeschränkt beA & E-Mail über KI-Agenten; geteilte Workspaces für Mandanten; kein vollständiger Kommunikations-Hub |
| Online-Akte (Mandantenportal) | ✓ Vollständig, inklusive Vollständige Aktenansicht für Mandanten; keine Zusatzkosten |
Geteilte Workspaces Kollaborationsplattform für Mandanten-Zusammenarbeit; kein klassisches Mandantenportal |
| Technologie & Offenheit | ||
| API-Zugang | ✓ Offene REST API Für beliebige Programme und Drittsysteme nutzbar |
✓ Schnittstellen Offen für Drittanbindungen; API vorhanden |
| Mobile App | ✓ Native iOS & Android App Vollumfänglich, nicht nur Browser |
✓ Browserbasiert Auf jedem Endgerät via Browser; keine native App |
| Live Reporting / KPIs | ✓ Echtzeit-Dashboards Auswertungen über Akten, Teams, Erlöse & Prozesse |
✓ Realtime-KPIs Live Reporting und Prozess-Transparenz als Kernfunktion |
Für wen sich welche Plattform eignet
JUNE passt zu Kanzleien, die vor allem hochvolumige, internationale Verfahren mit KI-first-Ansatz automatisieren wollen – und keine tief verankerten deutschen Kanzleifunktionen (RVG, DATEV, Telefonie) brauchen.
DEPLAW ist für Kanzleien gebaut, die Automatisierung auf Enterprise-Niveau wollen – und gleichzeitig nicht auf die Tiefe einer vollständigen deutschen Kanzleiplattform verzichten:
- Offene Workflows – BPMN 2.0, exportierbar, kein Vendor Lock-in
- KI als kontrollierter Schritt – orchestriert im Workflow, nicht als Blackbox-Agent
- Deutsches Recht komplett – RVG, DATEV, beA, Telefonie, Zahlungen – alles nativ
- Ein Posteingang für alles – beA, E-Mail, Fax, eBO gesellschaftsübergreifend
- Schriftsätze mit Logik – Textbausteine mit Bedingungen und dynamische Formulare
- Cloud oder On-Premise – volle Wahlfreiheit bei der Infrastruktur
was möglich ist.