Die Postfach-Weiche (Einstellungen → Kommunikation → Postfach-Weiche) sorgt dafür, dass eingehende Nachrichten automatisch am richtigen Ort landen, statt alle im selben Eingang zu sammeln. Sie prüft jede neue E-Mail- und beA-Nachricht anhand von Regeln und verschiebt sie bei Bedarf in einen anderen Ordner – zuverlässig im Hintergrund, ohne dass jemand von Hand sortieren muss.

Wozu die Postfach-Weiche?

Ohne Vorsortierung landet die gesamte Kommunikation eines Postfachs in einem einzigen Eingangsordner: wichtige Fristsachen zwischen Newslettern, vertrauliche beA-Post neben Alltagskorrespondenz. Das kostet Zeit und birgt das Risiko, dass etwas übersehen wird.

Die Postfach-Weiche automatisiert diese Sortierung. Die Zielordner sind dieselben, die Sie beim E-Mail- bzw. beA-Postfach angelegt haben. So bauen Sie sich eine saubere Ablage-Struktur, in die eingehende Nachrichten sich selbst einsortieren.

So funktioniert das Routing

  • Pro Postfach hinterlegen Sie beliebig viele Regeln. Jede Regel hat eine Bedingung in FEEL, einen Quell- und einen Zielordner sowie eine Priorität.
  • Trifft eine neue Nachricht im Quellordner ein, prüft die Weiche die Regeln der Reihe nach – niedrigere Priorität zuerst. Die erste zutreffende Regel verschiebt die Nachricht in ihren Zielordner; danach endet die Prüfung für diese Nachricht.
  • So fangen spezielle Regeln (niedrige Zahl) Sonderfälle ab, bevor eine allgemeine Auffangregel greift – vergleichbar mit E-Mail-Filtern, aber inklusive der beA-Metadaten des elektronischen Rechtsverkehrs.

Eine Regel anlegen

Mit Regel hinzufügen öffnet sich der Regel-Editor. Er ist zweigeteilt: links definieren Sie die Regel, rechts steht die Variablenreferenz – ein Klick auf eine Variable kopiert sie in die Bedingung.

Regel hinzufügen
Name
Bedingung (FEEL)
Quellordner
Zielordner
anAktiv
ausAls gelesen markieren
Postfächer & Priorität
+ Zuordnung
Postfach
Kanzlei beA
Priorität
1
Entfernen
Verfügbare FEEL-Variablen
Verwendbar in der Bedingung (FEEL), z. B. contains(SUBJECT, "Mahnung"). Klick kopiert die Variable.
NACHRICHT
SUBJECTBetreff der NachrichtFROMAbsenderadresseCONTENTTextinhaltHASATTACHMENTAnhänge? Ja/NeinFOLDERaktueller Ordner
BEA – METADATEN
BEA_CONFIDENTIALvertraulich? Ja/NeinBEA_EEBREQUIREDEEB erforderlich
BEA – XJUSTIZ / PRÜFUNG
BEA_XJUSTIZ_HASEEBEEB liegt vorBEA_VERIFICATION_STATUSSignaturprüfung
AbbrechenSpeichern
Feld Bedeutung
Name Bezeichnung der Regel.
Bedingung (FEEL) der FEEL-Ausdruck, der über die Variablen der Nachricht entscheidet, ob die Regel greift – z. B. contains(SUBJECT, "Mahnung").
Quellordner der Ordner, in dem die Nachricht ankommt und geprüft wird.
Zielordner wohin sie bei zutreffender Bedingung verschoben wird.
Aktiv schaltet die Regel scharf.
Als gelesen markieren markiert die verschobene Nachricht zugleich als gelesen.
Postfächer & Priorität über + Zuordnung ordnen Sie die Regel einem oder mehreren Postfächern zu und vergeben je eine Priorität (niedrigere zuerst). Über Entfernen lösen Sie eine Zuordnung wieder.

Bedingungen in FEEL

Die Bedingung ist ein FEEL-Ausdruck, der true oder false ergibt. Er greift auf die Eigenschaften der eingehenden Nachricht als Variablen zu, die rechts im Editor aufgelistet sind – ein Klick kopiert die jeweilige Variable. Beispiel: contains(SUBJECT, "Mahnung") verschiebt alle Nachrichten, deren Betreff „Mahnung“ enthält; FROM = "gericht@example.de" trifft auf einen bestimmten Absender.

Variablen jeder Nachricht

Variable Inhalt
ID eindeutige technische ID der Nachricht
RECEIVEDDATE / SENTDATE Empfangs- bzw. Versanddatum (deutsches Format)
FROM Absenderadresse
TO / CC / BCC / REPLYTO Empfänger-, Kopie-, Blindkopie- bzw. Antwortadressen (getrennt durch ;)
SUBJECT Betreff
CONTENT Textinhalt / Nachrichtentext
HASATTACHMENT Anhänge vorhanden ("Ja"/"Nein")
ATTACHMENTS Dateinamen der Anhänge (getrennt durch ;)
FLAGS gesetzte Flags (z. B. gelesen, markiert)
FOLDER Ordner, in dem die Nachricht liegt
TYPE Typ der Nachricht

Zusätzliche beA-Variablen

Für beA-Nachrichten stehen zahlreiche Metadaten aus dem elektronischen Rechtsverkehr bereit:

Variable Inhalt
BEA_CONFIDENTIAL als vertraulich markiert ("Ja"/"Nein")
BEA_EEBREQUIRED Empfangsbekenntnis (EEB) erforderlich
BEA_STRUCTURETYPE Strukturtyp der beA-Nachricht
BEA_RECEPTIONTIME / BEA_DELIVERED / BEA_SENT Eingang im beA-System / Zustellung / Versand
BEA_REFERENCE_RECIPIENT / BEA_REFERENCE_SENDER Referenznummer des Empfängers bzw. Absenders
BEA_XJUSTIZ_OWNREFERENCEID / BEA_XJUSTIZ_REFERENCEMESSAGEID eigene bzw. referenzierte XJustiz-Referenz
BEA_XJUSTIZ_HASEEB / BEA_EEB_SUCCESS EEB liegt vor / EEB erfolgreich übermittelt
BEA_EEB_DELIVEREDAT / BEA_EEB_DENIALREASON / BEA_EEB_DENIALCODE EEB-Zustellzeitpunkt bzw. Ablehnungsgrund/-code
BEA_VERIFICATION_STATUS / BEA_VERIFICATION_HASREPORT Status der Signaturprüfung / Prüfbericht vorhanden
BEA_VERIFICATION_BUSINESSCARD / BEA_VERIFICATION_GENERALREPORT Visitenkarte des Absenders / allgemeiner Prüfbericht

Anwendungsfall 1: Vertrauliche beA-Post aussortieren

Als vertraulich gekennzeichnete beA-Nachrichten sollen häufig nicht im allgemeinen Postfach sichtbar sein, sondern nur für berechtigte Personen. Eine Regel mit der Bedingung

BEA_CONFIDENTIAL = "Ja"

verschiebt solche Nachrichten automatisch in einen geschützten Zielordner – so bleiben sensible Inhalte vom allgemeinen Eingang getrennt, ohne dass jemand sie manuell umsortieren muss.

Anwendungsfall 2: Parallelbetrieb mit automatischer Zugehörigkeitsprüfung

Wird DEPLAW für ein gezieltes Projekt innerhalb Ihrer bestehenden Landschaft eingesetzt, teilen sich DEPLAW und der reguläre Kanzleibetrieb oft dieselben Kommunikationskanäle (E-Mail, beA …). Damit beide Systeme sauber nebeneinander laufen, prüft die Postfach-Weiche jede eingehende Nachricht darauf, ob sie zu einem in DEPLAW geführten Fall gehört:

  • Zugehörige Nachrichten bleiben in DEPLAW und werden dort weiterverarbeitet.
  • Nicht zugehörige Nachrichten wandern in einen Unterordner und stehen von dort anderen Systemen zur Verfügung.

So lässt sich ein Parallelbetrieb umsetzen, bei dem eine automatisierte Prüfung die Zuordnung „gehört zu DEPLAW / gehört nicht zu DEPLAW“ übernimmt – niemand muss die gemeinsamen Kanäle von Hand trennen.